Es muss Anfang November 2021 inmitten der Corona Pandemie gewesen sein, als eine Bekannte vor mir stand und mich fragte: “Hast Du Angst”? Ich hielt einen kurzen Augenblick inne, um zu überlegen und sagte: „Nein – Angst ist es definitiv nicht!“ Die Gefühle, welche ich zu diesem Zeitpunkt hatte, waren eher Respekt, wirtschaftliche Sorgen, aber auch Vertrauen und so etwas wie kribbelnde Neugier. Angst fühlt sich für mich eindeutig anders an.
Aber was macht mir Angst? Die Zukunft! Und zwar, dass die Zukunft keine beruhigende Gewissheit mehr darstellt, sondern vielmehr eine nebulöse Ungewissheit suggeriert. Eine Ungewissheit, ob es irgendwann am Monatsende auf meinem Girokonto eng wird. Eine Ungewissheit, ob meine Krankenversicherung bezahlt, wenn es nötig ist. Eine Ungewissheit, ob die vier Wände, in den man lebt, im Winter noch warm werden. Eine Ungewissheit, wie sich das Klima verändert. In Bezug auf das Wetter und die Gesellschaft. Ein Mob von unkontrollierbaren, aufgewiegelten Menschen, die alle samt Angst um ihre Zukunft gar ihr Überleben haben, möchte ich mir nicht vorstellen.
Angst ist ein Gefühl, was lähmt und denken behindert. Angst löst in unserem Körper einen Cocktail an Substanzen aus, der unser Verhalten negativ verändert und einige Individuen sogar sehr aggressiv werden lässt. Angst löst Stress aus! Angst sollte kein Dauerzustand sein! Deshalb sollten wir Angst erkennen bei anderen und bei uns selbst.
Über Gefühle zu sprechen ist mir fremd. Auf jeden Fall nicht im konstruktiven Sinn, denn wenn ich überlege, wie häufig wir lästern, um (vielleicht) negative Gefühle schnell zu kaschieren, dann sprechen wir doch sehr häufig indirekt über Gefühle. Dabei suchen wir lediglich einen Schuldigen, um uns schnell besser zu fühlen.
Dabei können Gefühle so unendlich konstruktiv sein. Motivation zum Beispiel. Bei mir fühlt sich eine aufkommende Motivation wie ein aufziehender Sturm an. Eine innerliche Unruhe, Gedanken werden zu einem Feuerwerk, ein angenehmes Kribbeln durchflutet meinen ganzen Körper und ich kann es kaum erwarten, etwas herauszufinden, zu verstehen oder zu beginnen. Fange ich mich in solchen Momenten nicht wieder bewusst ein, kann es leicht passieren, dass ich mich in einem Rabbit Hole verliere und geplante Vorhaben auf der Strecke bleiben.
Und hier sind wir an einem wesentlichen Punkt. Gefühle steuern unser Verhalten! Und Gefühle können wir nicht wirklich beeinflussen. Gefühle können uns aus der Haut fahren lassen, oder aber in einer sanften Art und Weise beruhigen. In dem Augenblick, in dem wir unsere Gefühle jedoch einordnen und versuchen zu verstehen, haben wir die Möglichkeit, die Energie bzw. die Harmonie positiv zu nutzen.
Kleiner Exkurs zum Begriff “erratisch”. Erratisch bedeutet: unberechenbar, unkalkulierbar, sprunghaft, willkürlich, konfus, fahrig, launisch, impulsiv. Welche Person fällt dir ein, wenn du jetzt an einen erratischen Menschen denkst?
Ganz gleich, wer vor deinem inneren Auge auftaucht, inwieweit würdest du dieser Person vertrauen? Meine Antwort: Gar Nicht!
Doch was passiert, wenn eine erratische Person Macht bekommt? Und diese Person zukunftsrelevante Entscheidungen, aus einem Gefühl der persönlichen Kränkung, fällt. Eine Entscheidung, die idealerweise möglichst objektiv und unemotional aus verschiedenen Blickwinkel hätte getroffen werden müssen. Nicht so gut, oder?
Und in diesem Zuge stelle ich mir die Frage: Was veranlasst Menschen, jemandem Macht zu verleihen, der solche Charakter Züge mitbringt?
Eine wahrscheinliche Antwort: Es sind die Emotionen, die diese Person durch Sprache – und ja, allein durch Sprache in Menschen auslöst. In Menschen, die Argumenten folgen, die ihre Emotionen beflügeln und das kann leider jeden von uns treffen.
Gefühle – und das steht für mich fest – können dazu führen, dass man falsche Entscheidungen treffen kann. Entscheidungen, die man vielleicht später bitter böse bereuen wird. In Beziehungen, in der Politik, sowie in jeglichen zwischenmenschlichen Situationen.
Ganz einfach, weil unsere Gefühle echt sind, aber unsere Interpretation von unseren Gefühlen kann komplett falsch sein. Ein wesentlicher Grund mehr, warum wir lernen müssen, unsere Gefühle richtig einzuordnen und zu verstehen.
Denn Gefühle sind konstruiert. Nervenzellen – deine und meine Nervenzellen – haben im Laufe des Lebens verschiedene äußerliche Eindrücke erlebt, verarbeitet und gepaart mit der Wahrnehmung von körperlichen Reaktionen (Interozeption) ab gespeichert.
Haben wir Hunger oder vielleicht nur Appetit? Wie fühlt sich der Unterschied an? Ich würde fast behaupten, dass viele von uns (da nehme ich mich nicht von aus) Hunger von Appetit nicht richtig unterscheiden können.
Auch das Gefühl von Zuneigung kann uns unter gewissen Umständen täuschen. So zeigte das Brückenexperiment, dass Männer, die sich in einer unsicheren Situation (in der Studie eine Hängebrücke) befanden, eher geneigt waren, mit einer fremden Person Kontakt aufzunehmen, als die Männer, die auf einem festen Untergrund standen.
Gefühle helfen dem Individuum, Situationen einzuschätzen und entsprechend zu reagieren. Gefühle sind evolutionär sehr, sehr alt.
Springen wir kurz in der Zeit ca. 20.000 Jahre zurück. Die Umwelt war kalt und rau, die Temperaturen lagen das gesamte Jahr unter dem Gefrierpunkt, diesen Zeitabschnitt nennen wir heute Eiszeit. Neben dem frühen Menschen, der sich physiologisch und biologisch nur sehr gering von uns heute unterscheidet, lebten Raubtiere wie beispielsweise der Säbelzahntiger. Da es zu dieser Zeit weder Schusswaffen noch Betäubungspfeile gab, musste bei der Beute – hier der Mensch – der Adrenalinspiegel steigen und der gesamte Körper im Fluchtmodus schalten, um sein Überleben zu sichern.
Auch wenn sich in der Natur Lebewesen über wenige Generationen an neue Umweltbedingungen physiologisch anpassen können. Konnte das Wunderwerk der Natur, unser Gehirn, in dieser für uns Menschen recht langen Zeit dieses scheinbar nicht. Die sogenannte Amygdala, ist heute wie damals das Alarmzentrum in unserem Kopf.
Und weil wir auf Gefahr so gut anspringen, wird dieser Alarmzustand, gern von Medien, Politikern und Unternehmen genutzt. Jeder buhlt um deine Aufmerksamkeit und das geht nunmal am Besten, wenn dein Alarmzentrum anspringt.
Wir wollen gut aussehen, vielleicht sogar fit und sportlich sein, manche achten sehr genau auf ihre Ernährung, aber wer möchte sein Verhalten verstehen? Oder besser gefragt: Nicht von anderen manipuliert werden?!
Vielleicht hast du Lust mir auf der Suche nach dem Warum zu folgen und mehr über dich und mich und viele andere zu erfahren.
Viele Grüße – Barbara
Wie Gefühle entstehen: Eine neue Sicht auf unsere Emotionen – von Lisa Feldman Barrett
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